Niederflur auf schmaler Spur
Seit dem August 2008 fahren die neuen Mittel- und Steurwagen auf der Pinzgaubahn.
Was ist das revolutionäre an diesen Fahrzeugen?
Mit einer Wagenkastenbreite von 2,65m und einem Niederflureinstieg setzen
die Wagen ungekannte Maßstäbe auf Schmalspurbahnen mit 750/760mm.
Dies sind einmal die herausragensten Neuerungen, aber es gibt noch vieles mehr.
In der Fahrzeugmitte befindet sich der niederflurige Einstieg mit Mehrzweckbereich,
Hier können am Rand Klappsitze genutzt werden.
falls der Platz nicht durch Fahrräder, Wintersportgeräte
oder auch Rollstühle belegt ist. Über drei Stufen kommt
man in den Hochflurbereich der Fahrzeuge. Dort sind Sitzgruppen in einer
bequemen 2+2 Bestuhlung angeordnet. Durch die größere Wagenkastenbreite
ermöglichen die neuen Wagen 261mm mehr Platz als die bisherigen 5090.
Als Sitze werden die heutigen "Standartsitze" verwendet,
wie man sie auch aus dem Talent (4023/4024) kennt. Außerdem besitzen
die Wagen ein 30-kW Dieselstromaggregat, das dazu dient die Klimaanlage
der Wagen zu betreiben. Dieses autarke Dieselaggregat brachten bei der
Zulassung schon einige Probleme auf Grund der Laustärke mit sich.
Durch diesen Motor sind die neuen Wagen aber problemlos im Mischbetrieb
mit den alten Knotztriebwägen (Vt 5090) einsetzbar. Untereinander
werden die Wagen mit Schafenbergkupplungen gekuppelt und der Übergang
mit Scherengittern gesichert. Die Profilfreiheit der Wagen entspricht den
Durchschnittsmaßen schweizerischen Meterspurbahnen, was für
die Pinzgaubahn bedeutet, dass einige Weichenlaternen und Bahnsteigkanten
versetzt werden müssen. Für diese Profilmessfahrten wurde eigens
ein offener Güterwagen von der Zillertalbahn geliehen, der mit entsprechenden
Leisten dem Lichtraumprofil der neuen Wagen angepasst wurde. Für den
Wendezugbetrieb mit 2096 wird ein Adapter zwischen Bosnakupplung und
Schafenbergkupplung benötigt.
Wie kam es zur Bestellung?
Im Jahre 2004 sollten die Weichen für eine moderne Pinzgaubahn gestellt werden.
Nach langen Verhandlungen einigten sich Land und ÖBB auf den Fortbestand
der gesamten Bahn, sowie deren Ausbau und Modernisierung. Dabei war es von
Vorteil, dass die Zillertalbahn ebenfalls neues Rollmaterial für den
ganztägigen Halbstundentakt benötigte. Somit ließ sich das
Auftragsvolumen so vergrößern, dass es noch wirtschaftlich war
eine derartige Kleinserie zu entwickeln und zu produzieren. Da man sich für ein
Wendezugkonzept entschieden hatte bestellt man die schon bewerten Loks mit dem
Spitznamen Lupo. Diese zwei Exemplare verkehren bei der Zillertalbahn
als D13 und D14. Die Zillertalbahn bestellte zwei weitere Diesellokomotiven
und die ÖBB eine für die Pinzgaubahn bei der Firma Gmeinder
in Deutschland. Für die neuen Personenwagen beauftragte man Molinari
Engineering mit der Konstruktion. Gefertigt werden die Wagen bei Zeleznicni
opravny a strojirny Vrutky in der Slowakei. Inzwischen werden auch einige
5090 mit einer Steuerleitung für den Steuerwagenbetrieb in der Werkstatt
in Zell am See ausgerüstet. Im Herbst waren jeweils der erste Mittelwagen
und Steuerwagen für die Pinzgaubahn fertiggestellt. Sie wurden als erstes
bei der Verkehrsausstellung in Brünn präsentiert und trugen bereits das "Schräg-Design"
der ÖBB (Bilder siehe
hier).
Erst nach der Übernahme der Pinzgaubahn durch die SLB Pinzgauer Lokalbahn wurden die neuen Wagen ausgeliefert.
Allerdings kamen die Wagen nie im Schräg-Design auf der Pinzgaubahn zum Einsatz. Die Wagen wurden noch
im Werk in den SLB Neulack versetzt und so an die SLB Pinzgauer Lokalbahn ausgeliefert.
Zeichnung der Fahrzeuge: Siehe Eisenbahn-Revue 1/2006
(Quelle: Eisenbahn-Revue 1/2006)