100 Jahre Hagenbeck
Angefangen hat alles mit sechs Seehunden. 1848 stellt der Fischhändler und Vater des späteren Tiergarten-Gründers Carl Hagenbeck die Tiere in einem
Waschbottig am Spielbudenplatz auf St. Pauli aus. Sie waren den Fischern als "Beifang" in die Netzte gegangen. Aus der Seehund-Schau wird eine kleine Tierhandlung.
1866 übernimmt carl Hagenbeck das geschäft und baut es aus. Er schickt Expeditionen auf Tierfang in die ganze Welt. Kaiser und Könige bestellen bei ihm Exoten für ihre
Menagerien.
Nebenbei gründet Hagenbeck einen Zirkus. Bei der Dressur von Löwen, Tigern und anderen exotischen Tieren findet er heraus, wie weit sie wirklich springen können.
Dieses Wissen wird Grundlage seine bahnbrechenden Idee: gitterlose Gehege. Nur noch Gräben sollen die Tiere von den Besuchern trennen. Aus damaliger Sicht ein
verrückter Gedanke. Um ihn umzusetzen, muss Hagenbeck selbst einen Zoo gründen, und so öffnetim Mai 1907 der Tierpark Hagenbeck seine Tore. Erstmals betrachtetdas
Publikum Tiere nicht in engen Käfigen, sondern in einer artgerechten Umgebung. So behindern beispielsweise im Afrika-Panorama keine Zäune den Blick auf Flamingos,
Zebras und Löwen. Die Neuerung lockt sogar Kaiser Wilhelm II. viermal in den Hamburger Park.
Noch heute ist Hagenbeck wegweisend in der Tierhaltung. "Wir haben lieber weniger Arten, können so aber den Tieren mehr Platz geben", sagte Tierparkdirektor Joachim Weinlig-Hagenbeck. Der Besucher wird in keiner Weise enttäuscht: Auf 25 Hektar leben 1850 Tiere aus 210 Arten.
Unter der hohen transparenten Kuppel des neuen Orang-Utan-Hauses klettern Simia und Herta geschickt den Baum hinauf, dabei sind sie als gerade einmals Zweijährige
selbst nach Affenmaßstäben noch Kleinkinder. Die kleinen asiatischen Elefanten Thai und Kandy planschen im Wasserbecken, Löwen-Baby Tawanga balgt mit ihren Brüdern,
Rotschildgiraffe Layla reckt ihren noch relativ kurzen Hals zu den Ästen hinauf.
Der Teirpark ist ausgesprochen erfolgreich in der Zucht. Selbst viele in freier Wildbahn von der Ausrottung bedrohte Tierarten pflanzen sich hier fort: ein Beweis, dass sich
Tiere wohlfühlen.
Doch trotz seines Erfolgs hat der Tierpark zu kämpfen. In sechster Generation im Privatbesitz der Familie Hagenbeck, erhält er als Einziger dieser Größenordnung in
Deutschland keine staatlichen Zuwendungen für den laufenden Betrieb. Und die Eintrittsgelder decken gerade die Betriebskosten von rund 24 000 Euro pro Tag.
"Hagenbeck kann nur bestehen, wenn große Investitionen über Spenden und Gelder der Stadt finanziert werden", sagt Joachim Weinlig-Hagenbeck. Umso stolzer ist der
Zoodirektor, dass im Mai trotzdem pünktlich zum Jubiläum das neue Tropen-Aqaurium eröffnet wird.
Posted on 30 November 2006
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